:: wikimiki.org ::
| Jacques Delfeld |
Jacques DelfeldJacques Delfeld ( - 15.10.1951 in Luxembourg) ist Vorsitzender des Verbandes Deutscher Sinti und Roma - Landesverband Rheinland-Pfalz und stellvertretender Vorsitzender des Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma.
Im Vordergrund seiner Bürgerrechtsarbeit stehen die gesellschaftliche Gleichbehandlung und die Wahrung der kulturellen Eigenständigkeit der Sinti und Roma. Er tritt seit 1984 politisch auf. Gemeinsam mit dem Dachverband fordert er über Jahre hinweg die gesetzliche Verankerung eines Minderheitenschutzes ein, die für die Förderung der Kultur der Sinti und Roma garantiert und durch Öffentlichkeits- und Informationsarbeit dazu beiträgt die Vorurteile gegenüber der Minderheit abzubauen.
Jacques Delfeld engagiert sich weiterhin für die Errichtung und Pflege von Mahnmalen und Gedenkstätten für Opfer des Nationalsozialismus und beteiligt sich an der Entwicklung entsprechender Ausstellungen.
Am 25. Juli 2005 bekannte sich Rheinland-Pfalz als erstes Bundesland in einem schriftlichen Vertrag zu seiner Verantwortung gegenüber den Sinti und Roma. Für die deutsche Minderheit ein historisch bedeutender Akt. Dieser Erfolg ist zum großen Teil auf das jahrelange, verbandspolitische Engagement von Jacques Delfeld zurück zuführen.
Eine entsprechende Rahmenvereinbarung hierzu unterzeichneten Ministerpräsident Kurt Beck und der Vorsitzende des Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Rheinland-Pfalz, Jacques Delfeld, in Mainz. In der Vereinbarung wurden verbindliche Verabredungen dazu getroffen, wie das Gedenken an die Opfer der NS-Verfolgung unterstützt werden kann und Sprache (Romanes), Kultur und Identität der Sinti und Roma gefördert werden können. Außerdem verpflichtet sich die Landesregierung darin, jeglichen Diskriminierungen von Angehörigen der Minderheit entgegenzuwirken.
Jacques Delfeld ist weiterhin Herausgeber von minderheitsspezifischer Fachliteratur:
- Jetzt ist keiner mehr da – Gedenken an die Deportation von Sinti und Roma in der NS-Zeit
- Tradition und Zukunft des Rechtsextremismus
- Die Überleben sind die Ausnahme- Broschüre zur gleichnamigen Ausstellung
- Sinti und Roma eine Deutsche Minderheit- Kooperation mit Pädagogischen Zentrum u. Landeszentrale für politische Bildung
- 20 Jahre für Bürgerrechte- Der Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Rheinland-Pfalz
Delfeld, Jacques
Delfeld, Jacques
Delfeld, Jacques
SintiSinte (Singular: Sinto; Etymologie unklar, eventuell Eigenbezeichnung Sindh nach der gleichnamigen pakistanischen Provinz) sind diejenige Untergruppe der Roma, die sich schon seit dem Ende des Mittelalters im westeuropäischen Raum aufhalten. Im deutschsprachigen Raum stellen sie damit einen Teil der Sinti und Roma.
Sichtbarkeit
Aufgrund der Geschichte (besonders der Nazi-Zeit) sind die Sinte eine über weite Strecken "unsichtbare" Minderheit.
Wo sie früher vielleicht noch durch ihr Aussehen aufgefallen wären, werden sie heute, aufgrund der vielfältigen Bevölkerung ausländischer Herkunft, kaum als eigenständige ethnische Gruppe wahrgenommen. Dazu trägt auch bei, dass sie normalerweise Fremden wenig Einblick in ihre Kultur gewähren.
Oftmals verheimlichen sie sogar ihre Gruppenzugehörigkeit.
Eigene Kultur
Die Sinte haben trotz ihres langen Aufenthalts in Deutschland eine beträchtliche kulturelle Eigenständigkeit bewahrt, darunter oft noch die eigene Sprache, das so genannte "Sintitikes;"Eigenbezeichnung ist Sintengheri Tschib oder Sintenghero Rakerpen!. Darüberhinaus gibt es viele Bräuche, die sogar noch auf ihre nordindische Heimat zurückgehen. Im Gegensatz zu weit verbreiteten Ansichten haben sie ein eigenes recht strenges Gesetz ("Tschatschepen"), an das sich jeder halten muss, der nicht von der Gemeinschaft abgeschnitten werden will ("paletschido"). Über dieses Gesetz wachen eigens dafür bestimmte Personen ("Tschatschepaskere").
Konflikte mit den eigenen Traditionen
Heute gibt es oft Konflikte zwischen den alten Gesetzen und dem modernen Leben. So war es ursprünglich nicht erlaubt, im Wagen ("Wurdon,Wurdin") zu gebären oder zu sterben. Geschah es doch, war der "verunreinigte" Wagen zu verbrennen oder durfte lediglich an nicht zur Sinti-Gemeinschaft Gehörende verkauft werden. Ebenso wurden die persönlichen Gegenstände des Verstorbenen verbrannt. Da heute viele Sinte ganz gewöhnlich in Häusern leben und sie ihre Angehörigen nicht anonym sterben lassen wollen, sondern im Kreise der oft nicht kleinen Familie, ist das nur zu Hause möglich. Ein Abbrennen des Hauses wäre jedoch auch für den traditionellsten Sinto nicht praktikabel.
Konflikte mit der Umwelt
Ebenso führen Beerdigungen regelmäßig zu großen Konflikten. Zum einen, weil die Trauergemeinde oft sehr groß ist (mehrere hundert Menschen, sonst in Deutschland nur noch in traditionellen Dörfern üblich), zum anderen, weil die traditionelle Beerdigung ein langes und teilweise lautes Ritual ist. Nach lauten Bekundungen der Trauer (kennt man auch aus dem Nahen Osten; auch in Deutschland gab es früher Klageweiber) wird die Stimmung dann immer aufgehellter, bis man irgendwann teilweise wörtlich auf dem Grabe tanzt. Das gleiche Phänomen gibt es in abgeschwächter Form auch bei dem allgemein bekannten "Leichenschmaus" in Anschluss an andere deutsche Beerdigungen, der oft, vor allem, wenn der Verstorbene alt war und undramatisch gestorben ist, recht "feucht-fröhlich" endet (zumindest bei den nicht ganz eng Verwandten).
Außerdem gibt es viele weitere Tabus und Regeln. So sollten Frauen sehr früh und jungfräulich in die Ehe gehen, und zwar nicht mit "Gadsche" (Nichtzigeunern). Auch werden viele Berufe, die mit Blut und ähnlichem zu tun haben, als unrein (marimè) betrachtet, zum Beispiel Ärzte und Krankenschwestern, während Heilberufe speziell mit Pflanzen, Früchten und deren Derivaten eine lange Tradition vorweisen(zum Beispiel blaue Himbeeren aus Gotland und der Schweiz werden in ganz Europa von Sinte-Heilern angewendet gegen Herz-, Kreislauf-, Lungen-, Prostata- und Leberleiden).
Siehe auch
- Sinti Allianz Deutschland
- Sinti und Roma
- Zigeunerfeindlichkeit
- Zigeuner
Literatur
- Katrin Reemtsma: Sinti und Roma. Geschichte, Kultur, Gegenwart. Verlag C.H. Beck, 1996, ISBN 3406392555
Weblinks
- [http://www.sintiallianz-deutschland.de/ Sinti Allianz Deutschland e.V.]
- [http://www.sozialfotografie.de/ Fotos von Roma in Osteuropa by Helge Lindau]
Kategorie:Sinti und Roma
Roma
Roma (romanes: rom, "Mann", "Mensch") ist der Oberbegriff für eine Reihe ethnisch miteinander verwandter, ursprünglich aus Indien stammender Bevölkerungsgruppen, die ab dem 14. Jahrhundert in verschiedenen Einwanderungswellen nach Europa gelangten und in vielen europäischen Ländern eine ethnische Minderheit stellen. Die gemeinsame, in Dialekte aufgespaltene Sprache ist das Romanes/Romani. Folgende Bezeichnungen werden verwendet:
- „Sinti und Roma“ ist der vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma für die Verwendung im deutschen Sprachraum vorgeschlagene Sammelausdruck für die genannten Gruppen.
- „Roma“ ist die außerhalb des deutschen Sprachraums übliche Sammelbezeichnung. Im deutschen Sprachraum wird dieser Begriff auch als Ersatz für den belasteten Ausdruck „Zigeuner“ verwendet; wird er in diesem Sinn gebraucht, umfasst er laut Beschluss des 2. Welt-Kongresses der Romani-Union in Genf 1979 neben den ethnisch verwandten Gruppen wie Sinti und Kale auch nur soziologisch verwandte Gruppen wie die Jenischen und Tinkers.
- „Zigeuner“ (Zigan, Zigani) wird international ebenfalls als Überbegriff verwendet, im deutschen Sprachraum heute jedoch allgemein als abwertend empfunden und vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma abgelehnt. Im Gegensatz zum Zentralrat befürwortet die Sinti Allianz Deutschland dieses Wort.
Während ihrer gesamten Geschichte waren die Roma zahlreichen Diskriminierungen und Verfolgungen ausgesetzt. In der Zeit des Nationalsozialismus waren sie zusammen mit anderen Gruppen Opfer des nationalsozialistischen Holocausts.
Holocaust
Begriffe & Unterschiede
Zu den Unterschieden zwischen Sinti und Roma gibt es folgende Erklärungen:
- Der Doppel-Begriff Sinti und Roma (Pluralbegriff, der Singular ist entweder männl. Sinto oder Rom bzw. weibl. Sintitsa oder Romni), lässt vermuten, dass es sich um zwei verschiedene Volksgruppen handelt. Tatsächlich sind die Sinti jedoch eine Teilgruppe der unter der weltweit üblichen Selbstbezeichnung „Roma“ lebenden Volksgruppen. Andere Teilgruppen der Roma nennen sich zum Beispiel Kalé oder Kalderasch.
- Beide Volksgruppen sind zwar verwandt, unterscheiden sich aber in vielen kulturellen und sprachlichen Details. Die Vorfahren der Sinti sind bereits im späten Mittelalter nach Westeuropa eingewandert. In einer zweiten Migrationswelle im 19. Jahrhundert gelangte ein weiterer Teil der Roma vorwiegend aus Ungarn nach Österreich und Deutschland. Aufgrund dessen wird gerade im Deutschen die Bezeichnung Roma auch nur für diese zweite Gruppe, sowie für die noch heute im osteuropäischen Raum beheimateten Roma verwendet.
Als Sammelbezeichnung für alle im deutschsprachigen Raum lebenden Angehörigen des Volkes, unabhängig vom Zeitpunkt ihrer Einwanderung, wird seit Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts versucht, den Begriff Sinti und Roma zu etablieren, um die Bezeichnung Zigeuner zu ersetzen.
Die Roma sind nicht zu verwechseln mit den Jenischen sowie den Tinkern in Irland und Großbritannien, die ethnisch anderer Herkunft sind. Der Begriff Fahrendes Volk ist ebenso kein Synonym.
Die hauptsächlich in Südosteuropa beheimateten Roma sind ihrerseits aufgespalten in eine größere Zahl von Stammesverbänden mit leicht unterschiedlichen Traditionen und vielfach einer traditionellen beruflichen Spezialisierung. Eine dieser Gruppen sind die Kalderasch.
In Teilen Norddeutschlands und skandinavischen Sprachen findet sich auch die Bezeichnung "Tatern" oder "Tattare", der eigentlich die Bedeutung "Tatar" hat. Möglicherweise hat hierzu die Vorstellung beigetragen, die Roma seien als Begleiter des tatarischen Vordringens z.B. unter Tamerlan (Timur Lenk) nach Europa gelangt.
Zu den Begriffen "Zigeuner" und "Gitanen" siehe den separaten Artikel Zigeuner.
Zigeuner
Population
Die Weltpopulation der Roma mit den zugehörigen Untergruppen beträgt heute etwa zwölf Millionen, davon acht Millionen in Europa. Die größten Gemeinschaften befinden sich in den südosteuropäischen Ländern. Für Spanien schätzt man zwischen 400.000 und 700.000 Angehörige, etwa 300.000 für Frankreich und etwa 90.000 für Großbritannien. In Deutschland leben Schätzungen zufolge etwa 60.000 bis 70.000 Sinti und um die 40.000 Roma. Für den osteuropäischen Raum werden von bis zu 2,5 Millionen Roma vermutet. In Ungarn leben laut Volkszählung 1989 500.000 Roma, in der Tschechischen Republik und der Slowakei 300.000, in Bulgarien laut Volkszählung 2001 etwa 360.000 und in Rumänien laut Volkszählung 2002: 409.723. Auch die Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien, insbesondere Serbien, Montenegro und Mazedonien, sind Heimat starker derartiger Minderheiten; weitere Roma leben in Albanien, Polen, Griechenland, Türkei und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Offiziellen Angaben über Roma-Populationen sind meist ungenau und teilweise viel zu niedrig.
Herkunft
Allen Roma ist die indische Herkunft gemeinsam, die sich neben historischen Überlieferungen auch durch die Ableitung ihrer Sprache von einem nordwestlichen Dialekt der altindischen Volkssprache beweist.
Sie kamen vermutlich ab 1300 in kleineren Gruppen aus dem Nordwesten Indiens über den Nahen Osten, Griechenland, Balkan nach Mittel-, Ost-, West- und Nordeuropa. In vielen Teilen Westeuropas lebten sie bis in das 20. Jahrhundert hinein als Fahrende, in Südosteuropa dagegen meist als rechtlose Leibeigene oder Sklaven. Erst im 19. Jahrhundert wurden sie aus der Abhängigkeit befreit. Den Roma verwandte oder ähnliche Volksgruppen leben auch in der Türkei und Ländern des Nahen Ostens, sowie in Nordafrika und Amerika..
Neuere Archäologische Funde lassen jedoch darauf schließen, dass einige wenige Roma bereits im 12. Jahrhundert bis nach England kamen.
Sprache
Die Sprache (Romani) leitet sich von einem nordwestlichen Dialekt der altindischen Volkssprache ab (und nicht, wie oftmals angenommen wird, vom Sanskrit, das eine Hochsprache der Brahmanen war). Viele Sinti und Roma sprechen aber auch die Sprache des Landes, in dem sie sich aufhalten oder früher aufgehalten haben.
Sesshaftigkeit
Im Europäischen Durchschnitt leben etwa 60% der Roma sesshaft, ca 20% nomadisch, weitere 20% führen eine halb-sesshafte Lebensweise, bei der sich feste Wohnungen und Umherziehen jahreszeitlich abwechseln. Nach Ländern betrachtet sieht die Situation anders aus: In Schweden, Dänemark, Spanien und Österreich sind fast alle Roma sesshaft, wohingegen in England, Irland, Frankreich und Belgien die Roma primär keine festen Wohnsitze unterhalten.
Die Entwicklung der Sesshaftigkeit der Roma im heutigen Burgenland (Österreich)
Die erste urkundliche Erwähnung von Roma in jenen Gebieten der westungarischen Komitate, die das heutige Burgenland bilden, stammt aus dem Jahr 1389.
Im Jahre 1612 erhob der Palatin Graf Georg Thurzo vor König Matthias Klage gegen einige Zigeuner, die im Grenzgebiet zwischen Ungarn und Österreich von Diebstahl und Raub lebten, worauf ihnen der weitere Aufenthalt verwehrt wurde.
Nur vier Jahre später stellte aber derselbe Graf Thurzo dem Zigeuner-Woiwoden Franciscus und seiner Sippe einen Schutzbrief aus, der ihnen nicht nur erlaubte, sich auf seinen Ländern niederzulassen und das Schmiedehandwerk auszuüben, sondern sie auch vor den Übergriffen der ansässigen Bevölkerung schützen sollte. Diese Urkunde macht deutlich, dass die Zigeunergruppen unterschiedlich behandelt wurden.
1674 erteilte Graf Christoph Batthyány, der in den Türkenkriegen auf Seite der Türken stand, dem Zigeuner-Woiwoden Martin Sarközi und seinen Leuten das Recht, sich auf seinen Besitzungen im Südburgenland anzusiedeln. Im Gegensatz dazu versuchten die kaisertreuen Eszterházy die Zigeuner von ihren Besitzungen im Nordburgenland zu vertreiben.
Die relativ günstige Situation im Süden des Landes änderte sich schlagartig, als 1688 große Teile Westungarns – darunter auch die Ländereien der Batthyány – von den Habsburgern zurückerobert wurden. Im Habsburgerreich galt immer noch der Beschluss des Reichstags von Augsburg aus dem Jahr 1498, wonach keiner, der einen Zigeuner schädige, eine Sünde begehe.
Karl VI verschärfte die restriktive Politik gegen die Zigeuner, indem er 1720 bestimmte, dass „die Zigeuner und jegliches liederliche Gesindel“ in Österreich ausgerottet werden sollten. 1725 befahl er, aufgegriffene Roma mit Brandmalen auf dem Rücken zu kennzeichnen und mit der Drohung, sie würden enthauptet, wenn sie zurückkämen, abzuschieben. In der Folgezeit kam es zum berüchtigten „Zigeunerjagen“.
Kaiserin Maria Theresia machte diesen Verfolgungen ein Ende. Anstatt die Zigeuner zu verfolgen, versuchte man aus ihnen „ordentliche“ und „nützliche“ Bürger zu machen. Durch insgesamt vier Verordnungen, zwischen 1758 und 1773 erlassen, wurden die Zigeuner gezwungen sich niederzulassen, ihre alte Lebensweise aufzugeben und ein Handwerk zu erlernen. Um sie am Weiterwandern zu hindern, wurde ihnen der Besitz von Pferden und Fuhrwerken verboten.1773 wurden den Zigeunern die Kinder weggenommen und christlichen Familien zur Umerziehung übergeben.Staatlich geförderte Mischehen sollten bei den Zigeunern die Annahme der Lebensgewohnheiten der Mehrheitsbevölkerung beschleunigen.
Joseph II. führte die Assimilationspolitik fort. Die Zigeuner wurden verpflichtet, Sprache und Kleidung der übrigen Dorfbewohner (Gadsche) zu übernehmen. Die Verwendung des Romanes wurde verboten. (Vgl.:"Die Roma von Oberwart", Helmut Samer, Verlag Lex Liszt, Erste Auflage 2001)
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zur Einwanderung der Roma-Gruppe der Lovara in Westungarn, der südlichen Slowakei sowie im Burgenland bis in den Wiener Raum. Die Lovara gehören zur Gruppe der Vlach-Roma, die jahrhundertelang in der Walachei (im heutigen Rumänien) als Leibeigene gehaltenen wurden und nach der Aufhebung der Leibeigenschaft hier eine neue Heimat suchten.
Nach der Eingliederung Österreichs in das Deutsche Reich wurden die Lovara in Konzentrationslager deportiert, nur wenige kehrten zurück.
Ihre Sprache, das Lovara-Romani, wurde 1997-1999 im Rahmen des österreichischen Romani-Projekts kodifiziert, d.h. es wurde erstmals zur Schriftsprache. Ein Wörterbuch und zwei Textbände wurden erstellt, die Grammatik beschrieben. Leider wird diese Sprache nur mehr wenig gesprochen, vor allem von den alten Lovara.
Diskriminierung & Verfolgung
Siehe Zigeunerverfolgung
Gedenken und Information
Seit Beginn der 90er Jahre wird über die Errichtung eines Mahnmals diskutiert.2006 soll in Berlin ein Mahnmal für jene Menschen errichtet werden, die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft als Zigeuner verfolgt und im Holocaust ermordet wurden. Der Entwurf stammt von dem israelischen Künstler Dani Karavan. Die Diskussion um das Mahnmal ist dadurch gekennzeichnet, dass die ursprünglich geplante Inschrift - ein Zitat von Roman Herzog - aufgrund der angeblich unberechtigten Gleichstellung mit dem Völkermord an den Juden von Frau Weiss abgelehnt wird.
Daneben besteht mit dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma zumindest in Deutschland eine gewisse Interessenvertretung, welche durch das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma mit verschiedenen Ausstellungen und Projekten unterstützt wird. Die Sinti Allianz Deutschland fühlt sich durch den Zentralrat allerdings nicht vertreten und hat sich selbst in die Diskussion eingeschaltet. Die Sinti Allianz existiert allerdings erst seit einigen Jahren.
Siehe auch: Porajmos und Gedenken und Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus
Bekannte Persönlichkeiten
Insbesondere als Musiker sind einige Sinte und Roma zu großer Popularität gelangt. Als wohl bekannteste Namen seien hier Django Reinhardt, Kussi Weiß und Martin Weiss, die zu den besten Musikern Deutschlands zählen, Manitas de Plata und Sándor Déki Lakatos aufgeführt, aber auch der Rumäne Nicolae Neacsu oder die deutsche Sängerin Marianne Rosenberg sind hier zu nennen. Auch Zoltan Farkas und Csaba Farkas von der ungarischen Metalband Ektomorf besitzen eine Roma-Herkunft, was man der Musik deutlich anhören kann. Des weiteren aus dem Balkan: Muharem Serbezovski und Esma Redzepova. Der kanadische Schriftsteller und Journalist Ronald Lee konnte mit seinem autobiographischen Roman "Verdammter Zigeuner" international Aufsehen erregen. In Österreich sind noch die beiden Gitarristen Karl Ratzer und Harri Stojka zu nennen, die sowohl für die heimische und internationalen Jazzszene außergewöhnliche Beiträge geliefert haben.
- Paco de Lucía
- Isabel Pantoja
- Lolita Flores
- Pastora Vega
- Rosario Flores
- Antonio Flores
- Camarón de la Isla
- José el Francés
- Farruquito
Aktuelle Entwicklungen
Im Februar 2004 kam es im Osten der Slowakei zu einer Revolte der Roma.
Weblinks
- [http://www.sozialfotografie.de/ Fotos von Roma in Osteuropa by Helge Lindau
- [http://www2.dias-online.org/direktorien/eu/050517_34 Geschichte und Situation der Roma in der Europäischen Union von Jessica Heun
- [http://www.jungewelt.ipn.de/2004/03-13/033.php Hungrige Roma im Schlamm. Wo die Revolte anfing: Erkundungen bei den Ausgestoßenen zwischen Kosice und Trebisov. Eine Fahrt durch die Ostslowakei]
Kategorie:Sinti und Roma
Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und RomaDas Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma ist ein Kulturzentrum und eine Gedenkstätte in Heidelberg.
Eine ständige Ausstellung zum Schicksal der Roma zur Zeit des Nationalsozialismus wurde 1997 durch Bundespräsident Roman Herzog eröffnet. Sie erinnert an den nationalsozialistischen Völkermord an 500.000 Menschen dieser Volksgruppe in ganz Europa. Auf 700 m² werden Biografien nachgezeichnet, Familienfotos dokumentieren die Normalität davor dargelegt. Die Erfassung, Gettoisierung und Deportation von Sinti und Roma im besetzten Europa kann hier nachvollzogen werden. Die Ausstellung stellt zudem die Verbindung zwischen der Tötung der Sinti und Roma einerseits und dem Holocaust sowie der Tötung von Behindeten und Kranken im Rahmen der sogenannten Euthanasie her.
Weitere Tätigkeitsbereiche sind eine ständige Ausstellung in Kooperation mit dem staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau seit 2001, eine transportable Ausstellung, die seit 1998 durch Deutschland reist, sowie viele Gespräche, Diskussionen und Projektarbeiten.
Siehe auch: Gedenken und Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus, Zentralrat Deutscher Sinti und Roma
Buchenwald und Mittelbau-Dora, Ausstellung 2005
Die Bilder der Ausstellung von Jürgen M. Pietsch wurden mit der Großbildkamera in schwarz/weiß fotografiert. Sein Interesse gilt den historischen Relikten, nicht den Menschen, die sie betrachten. Die leere Fläche ist ihm ebenso wichtig wie Denkmale, Gebäude und scheinbar Nebensächliches wie Steine oder Mauerreste.
Die Fotografien werden ergänzt durch eine Auswahl von Fundstücken aus dem ehemaligen KZ Buchenwald, die während der seit 1993 systematisch durchgeführten Ausgrabungsarbeiten gefunden wurden. Es handelt sich dabei vor allem um einfache, häufig von Häftlingen selbst gefertigte, improvisierte Gegenstände des Lageralltags.
Weblinks
- [http://www.sintiundroma.de/index/ Das Dokumentationszentrum]
Kategorie: Sinti und Roma
Kategorie: Kultur (Heidelberg)
Kategorie: Holocaustgedenkstätte
Kategorie: Kulturzentrum
1984
Jahreswidmungen
- 1984 ist „Jahr der Frauen in Südafrika“
- Der Weißstorch (lat. Ciconia ciconia) ist Vogel des Jahres (NABU/Deutschland)
- 1. Januar: Leon Schlumpf wird Bundespräsident der Schweiz
- 1. Januar: Militärputsch in Lagos, Nigeria. Neuer Regierungschef ist Mohammed Buhari
- 1. Januar: Start des Privatfernsehens in Deutschland; PKS nimmt seinen Sendebetrieb aus einem Kellerstudio in Ludwigshafen auf (ab 1985 unter dem Namen SAT.1)
- 1. Januar: Brunei erhält seine volle Unabhängigkeit von Großbritannien
- 2. Januar: RTL plus nimmt seinen Sendebetrieb aus Luxemburg auf (Privatfernsehen)
- 2. Januar: Südwestlich von Kairo werden die Überreste einer 32 Mio. Jahre alten Tierart gefunden, die als gemeinsamer Vorfahr von Mensch und Affe gilt: Aegyptopithecus zeuxis
- 10. Januar: die USA und der Vatikan nehmen nach mehr als 100 Jahren Pause wieder diplomatische Beziehungen auf
- 13. Januar: Einstellung des Betriebes auf der Preßnitztalbahn zwischen Jöhstadt und Niederschmiedeberg
- 17. Januar: in Stockholm beginnt auf Außenminister-Ebene die KSZE-Folgekonferenz über Vertrauensbildung und Abrüstung in Europa (KVAE)
- 18. Januar: die sowjetische Nachrichtenagentur TASS teilt mit, dass in der DDR mit der Aufstellung von Nuklearraketen begonnen wurde
- 20. Januar: in Norwegen wird Arne Treholt, Pressesprecher des Außenministers, als russischer Spion entlarvt und verhaftet
- 24. Januar: Apple führt den Macintosh ein: das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung in Koblenz bestätigt, dass Computerlisten mit dem fast vollständigen Beschaffungsprogramm der Bundeswehr in einem Straßengraben gefunden worden sind
- 13. Februar: Konstantin Tschernenko wird zum neuen Generalsekretär der KPdSU gewählt
- 18. Februar: Italien und der Vatikan unterzeichnen ein neues Konkordat: Rom gilt nicht als Heilige Stadt und der Katholizismus ist nicht mehr Staatsreligion in Italien
- 1. März: nachdem die britische Regierung einer Starthilfe von 250 Mio. Pfund Sterling zugestimmt hat, steht dem Airbus-Projekt nichts mehr im Wege
- 5. März: das Truppenabzugsabkommen vom 17. Mai 1983 zwischen dem Libanon und Israel wird gekündigt; es sollte nach dem Abzug der syrischen Truppen in Kraft treten
- 5. März: 1.300 Menschen sterben bei Ausschreitungen von Moslems im christlich geprägten Nordosten von Nigeria bei Yola
- 9. März: Die Neue Staatsgalerie Stuttgart wird nach viereinhalb Jahren Bauzeit unter dem Schotten James Stirling eröffnet
- 26. März: Guinea. Tod des Staatspräsidenten Sékou Touré
- 26. März: Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und Nordrhein-Westfalen
- 28. März: das Kernkraftwerk Krümmel wird an den Betreiber übergeben
- 1. April: in München startet ein Pilotprojekt zum Kabelfernsehen mit 16 Fernseh- und 24 Hörfunk-Kanälen
- 3. April: Guinea. Oberst Lansana Conté reißt die Macht an sich
- 5. April: als erstes Bundesland verankert Bayern den Umweltschutz in seiner Landesverfassung
- 6. April: Putschversuch in Kamerun
- 11. April: Konstantin Tschernenko wird knapp zwei Monate nach seiner Wahl zum Generalsekretär auch zum neuen Staatsoberhaupt der Sowjetunion gewählt
- 16. April: Muzaffer Efendi, der 19. Sheikh der Dscherrahi-Tariqa, besucht während einer USA-Reise seine Derwische in New York. Die traditionelle Dhikr-Zeremonie, die am Abend dieses Tages stattfindet, wird professionell auf Tonband mitgeschnitten, aber erst im Jahr 1998 unter dem Titel Reunion veröffentlicht
- 9. Mai: Otto Wiesheu, beurlaubter Generalsekretär der CSU verliert im bayrischen Landtag seine Immunität, er ist wegen eines Autounfalls unter Alkoholeinfluss mit Todesfolge angeklagt (und wird später verurteilt)
- 5. Juni: in Amritsar (Punjab) stürmen Spezialeinheiten der indischen Armee den „Goldenen Tempel“, in dem sich seit zwei Jahren Hunderte von militanten Sikhs verschanzt halten, 600 Menschen kommen um
- 1. Juli: In Liechtenstein entscheiden sich die männlichen Wahlberechtigten knapp für das Stimm- und Wahlrecht für Frauen
- 5. Juli: Acht militante Sikhs entführen einen Airbus der Indian Airlines mit 264 Personen an Bord nach Pakistan
- 6. Juli: Die EG-Kommission reicht vor dem EuGH Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland ein, da diese das Inverkehrbringen von in anderen EG-Mitgliedstaaten rechtmäßig hergestelltem Bier untersagt, wenn dieses nicht dem deutschen Reinheitsgebot entspricht. (EuGH, Rs. 178/84; Urteil am 12. März 1987)
- 14. Juli: Aus den vorgezogenen Parlamentszahlen in Neuseeland geht die oppositionellen Labour Party als Sieger hervor
- 17. Juli: Laurent Fabius löst Pierre Mauroy als Premierminister von Frankreich und wird mit 37 Jahren der jüngste in diesem Amt
- 19. Juli: Jacques Delors löst Gaston Thorn als Präsident der EG-Kommission ab
- 23. Juli: der frühere Profiboxer Gustav „Bubi“ Scholz wird unter dem Verdacht festgenommen, seine Frau in der gemeinsamen Wohnung erschossen zu haben
- 25. Juli: die Bundesrepublik gewährt eine Bürgschaftsgarantie für einen durch Banken finanzierten Milliardenkredit an die DDR
- 26. Juli: David Lange wird als neuer neuseeländischer Premierminister vereidigt
- 27. Juli: In Livorno lässt die Stadtverwaltung zwei Skulpturen des Künstlers Amedeo Modigliani aus dem Hafenbecken bergen, die dieser samt einer Schubkarre 70 Jahre zuvor aus Enttäuschung über Kritik durch Künstlerkollegen dort versenkt hatte
- 29. Juli: Flugzeugentführung in Venezuela: eine mit 90 Personen besetzte DC-9 auf dem Weg von Curaçao nach Caracas
- 31. Juli: Flugzeugentführung in Deutschland: eine Boeing 737 der Air France wird mit 63 Personen an Bord auf dem Weg von Frankfurt-Paris nach Teheran gezwungen
- 1. August: die Anschnallpflicht für Sicherheitsgurte tritt für Autofahrer in der Bundesrepublik in Kraft (Bußgeld bei Nichtbefolgung: 40 DM)
- 2. August: Bombenanschlag in Madras (Indien): das Dach der Ankunftshalle des Flughafens stürzt ein, 32 Personen werden getötet
- 8. August: Flugzeugentführung durch einen 17jährigen Gegner von Ayatollah Khomeini: 300 Mekka-Pilger werden von Teheran nach Rom entführt; der Entführer bittet um politisches Asyl
- 11. August: US-Präsident Ronald Reagan verkündet bei einer Mikrofon-Sprechprobe die Bombardierung der Sowjetunion (bedauert später den „Scherz“)
- 16. August: Bei deutschen Lufthansa droht ein Arbeitskampf, nachdem der Vermittlungsversuch des ehemaligen „Superministers“ Karl Schiller von 80 Prozent der Belegschaft abgelehnt wurde. Die Lage gilt als kompliziert, da das Bodenpersonal, vertreten durch die ÖTV, eine diametrale Position zum fliegenden Personal, dargestellt von der DAG, einnimmt
- 22. August: in Südafrika wählen erstmals in der Geschichte Mischlinge und Asiaten ihre Parlamentsabgeordneten
- 23. August: in der Mongolei löst Schambin Batmunch den bisherigen Ministerpräsidenten Jumschagin Zedenbal ab
- 24. August: Sikh-Extremisten entführen eine Boeing 737 der Indian Airlines mit mehr als 90 Personen an Bord nach Dubai
- 1. September: In Afghanistan verüben Widerstandskämpfer einen Anschlag auf den Flughafen Kabul und töten 42 Menschen, meist Afghanen und Sowjetbürger, unter ihnen viele Frauen und Kinder
- 3. September: in Österreich bildet Bundeskanzler Fred Sinowatz seine Regierung um: neuer Außenminister wird der Wiener Bürgermeister Leopold Gratz
- 4. September: die Wahlen in Kanada bringen einen überwältigenden Wahlsieg für die Progressiv-Konservative Partei unter Brian Mulroney (mit 211 von 282 Sitzen)
- 5. September: nach der Verfassungsänderung in Südafrika nimmt Pieter Willem Botha erstmals Angehörige der schwarzen Mehrheit in sein Kabinett auf
- 6. September: in der Sowjetunion wird Verteidigungsminister Nikolai Ogarkow abgelöst durch Sergej Achromejew
- 10. September: Gründung der Arbeiterpartei Äthiopiens mit kommunistischer Ausrichtung als einziger Partei des Landes
- 12. September: das Bundesarbeitsgericht erklärt Warnstreiks: wie von der IG Metall angewendet: uneingeschränkt für rechtens
- 12. September: im Persischen Golf kommen bei einem Raketenangriff durch irakische Soldaten auf das deutsche Versorgungsschiff „Seetrans 21“ 6 Menschen ums Leben
- 12. September: die Olympischen Spiele in Los Angeles werden nach Angaben der Veranstalter mit einem Gewinn von 150 Mio. US-Dollar abgeschlossen
- 13. September: in Rom äußert sich Giulio Andreotti gegen eine Wiedervereinigung Deutschlands und gegen einen angeblichen Pangermanismus, was zu heftigen Reaktionen in der deutschen Öffentlichkeit führt
- 17. September: Frankreich und Libyen schließen mit dem Tschad einen Vertrag, wonach die Truppen beider Länder abgezogen werden
- 20. September: in Beirut sterben 24 Menschen nach einem Anschlag auf die dortige Außenstelle der Botschaft der USA, zu dem sich die schiitische Terrororganisation Islamischer heiliger Krieg bekennt
- 20. September: in München wird der mutmaßliche KGB-Spion Manfred Rotsch verhaftet, er hatte Zugang zu Plänen des Kampfflugzeugs „Tornado“
- 23. September: in der Schweiz stimmt die Mehrheit bei einer Volksabstimmung dem Bau von weiteren Atomkraftwerken zu
- 26. September: Großbritannien und die Volksrepublik China paraphieren ein Abkommen über Hongkong, nachdem die Kronkolonie am 30. Juni 1997 von China verwaltet wird; China verpflichtet sich, für weitere 50 Jahre das kapitalistische Wirtschaftssystem bestehen zu lassen
- 2. Oktober: in der Schweiz übernimmt erstmals eine Frau ein Ministeramt im Kabinett: Elisabeth Kopp übernimmt das Justizministerium
- 8. Oktober: Jürgen Möllemann (FDP) verzichtet auf eine Spitzenkandidatur bei den kommenden Wahlen im Mai 1985 in Nordrhein-Westfalen, nachdem ihm die Vermischung politischer Ämter mit Privatgeschäften vorgworfen wird
- 12. Oktober: Die IRA zündet eine Bombe im Grand Hotel in Brighton, wo sich die britische Premierministerin Margaret Thatcher und ihr Kabinett aufhalten. Fünf Menschen werden getötet, 32 verletzt
- 14. Oktober: der Marie-Luise-Kaschnitz-Preis wird das erste Mal verliehen
- 15. Oktober: Papst Johannes Paul II. erlaubt in Ausnahmefällen die Feier der heiligen Messe nach dem alten Ritus
- 16. Oktober: der Waldschadensbericht für 1984 besagt, dass bereits 50 % des deutschen Waldes von sichtbaren Schäden betroffen sind
- 18. Oktober: in Bonn kommt es während der Aussprache über die Regierungserklärung im Bundestag zu Tumulten, nach denen zwei Abgeordnete der Grünen ausgeschlossen werden: Jürgen Reents für 5 Tage und Joseph Fischer für 2 Tage
- 20. Oktober: in Peking beschließt die Führung weitreichende Wirtschaftsreformen, nach denen ein marktorientiertes Planungssystem aufgebaut werden soll, auch soll der Industrie mehr Selbstverantwortung gegebn werden
- 25. Oktober: Rainer Barzel tritt von seinem Amt als Bundestagspräsident zurück, nachdem ihm eine Verstrickung in die Flick-Affäre vorgeworfen wird
- 26. Oktober: in München werden die in Konkurs gegangenen Zündapp-Werke für 16 Mio. DM an China verkauft
- 31. Oktober: Die indische Ministerpräsidentin Indira Gandhi erliegt einem Attentat zweier Sikh-Extremisten aus ihrer Leibgarde. In unmittelbar darauffolgenden Unruhen werden ca. 1.000 Menschen: überwiegend aus der Sikh-Bevölkerung: getötet. Indiras Sohn Rajiv übernimmt das Amt des Ministerpräsidenten
- 3. November: die Tochter des Mitglieds des SED-Zentralkomitees und Honecker-Vertrauten Otto Reinhold hat sich in den Westen abgesetzt
- 5. November: der Unternehmer John-Werner Madaus wird im bis dahin größten Parteispenden-Skandal zu einer Geldstrafe von 420.000 DM verurteilt
- 6. November: Ronald Reagan gewinnt die Präsidentenwahlen der USA gegen Walter Mondale
- 6. November: in Chile verhängt die Regierung nach „ernsten Unruhen“ den Belagerungszustand über das gesamte Land
- 12. November: auf der OAU-Konferenz in Addis Abeba nimmt erstmals eine Delegation der Sahara-Republik teil. Marokko erklärt daraufhin seinen Austritt aus der OAU
- 19. November: in Wien wird der ranghöchste UNO-Diplomat der Türkei durch Mitglieder der Armenischen Revolutionären Armee erschossen
- 24. November: der Chaos Computer Club dringt in das BTX-System der Deutschen Bundespost ein, überweist 135.000 DM auf sein eigenes Konto und meldet anschließend den Vorfall
- 25. November: in Uruguay finden die ersten freien Wahlen statt, Wahlgewinner wird Julio Maria Sanguinetti
- 25. November: in Brasilien nimmt das bis dato grösste Wasserwerk der Welt, Itaipu, seinen Betrieb auf
- 1. Dezember: in Sri Lanka sterben 55 Menschen bei einem Überfall von Separatisten
- 3. Dezember: Bhopalunglück
- 11. Dezember: bei einer Razzia in Italien verhaftet die Polizei insgesamt 150 mutmaßliche Mafia-Mitglieder
- 14. Dezember: in Prag beginnen in der Deutschen Botschaft 40 von 68 DDR-Flüchtlingen einen Hungerstreik, um ihren Forderungen nach Ausreise in die Bundesrepublik Nachdruck zu verleihen
- 19. Dezember: Mit River Raid wird in Deutschland das erste Videospiel indiziert
- 21. Dezember: Brunei Darussalam wird Mitglied bei den Vereinten Nationen
- 22. Dezember: In Österreich beschließt die Bundesregierung nach zwei Wochen einen „Waffenstillstand“ mit den Besetzern der Hainburger Au
- 30. September: Komoren. Präsident Ahmed Abdallah wird durch Wahlen in seinem Amt bestätigt
- 31. Dezember: Austritt der Vereinigten Staaten von Amerika aus der UNESCO
- 1984 ist das berühmte Jahr aus Orwells 1984; Aus diesem Anlass kam es vermehrt zu Retrospektiven und Betrachtungen zu den Themen Datenschutz und Überwachung
- Start des Privatfernsehens in Deutschland; PKS (später SAT.1) nimmt seinen Sendebetrieb am 1. Januar aus einem Kellerstudio in Ludwigshafen auf, am 2. Januar beginnt RTL plus seinen Sendebetrieb aus Luxemburg (Radio Tele Luxemburg)
Wissenschaft
- 23. März: Physiker in Darmstadt weisen das Element 108 durch Verschmelzung von Eisen und Blei-Atomkernen nach
- 9. März: offizielle Einweihung von „JET“ (Joint European Torus), der größten Fusionsforschungsanlage der Welt, in Culham (in der Nähe der britischen Hauptstadt London)
- 21. Mai: erstmals wird die Kontinentaldrift exakt vermessen; der Atlantik erweitert sich demnach jährlich um 1,5 cm
- 24. August: eine Forschergruppe an der Universität Köln entdeckt Elektronengas, das bei -260 Grad Celsius und einem externen Magnetfeld in den flüssigen Zustand übergeht
- 3. Oktober: im Hamburger Tropeninstitut wird erstmals eine Knochenmarktransplantation angewendet, um die Sichelzellenanämie zu heilen
- 14. November: Physiker der Universität Basel bestätigen Ergebnisse, nach denen die Wirkung der Abgaskatalysatoren schädliche Nebenwirkungen auf den Menschen haben
- dem französischen Biochemiker Luc Montagnier gelingt die genetische Entschlüsselung des AIDS-Erregers HIV
Kunst & Kultur
- 31. Januar: Wolfgang Staudte erhält posthum den Helmut-Käutner-Preis
- 1. Juni: das Architekturmuseum in Frankfurt am Main wird eröffnet
- 4. Juni: bisher unbekannte Manuskripte von George Orwell werden in der Nähe der Stadt Reading (Großbritannien) aufgefunden
- 7. August: Uraufführung der Oper Un re in ascolto (Ein König horcht) von Luciano Berio im Kleinen Festspielhaus in Salzburg
- 1. Oktober: das am Gendarmenmarkt in Berlin gelegene Schauspielhaus (heute Konzerthaus Berlin) wird nach 17 Jahren Restaurierung wiedereröffnet
- Oscar bester ausländischer Film für „Dangerous Moves“ (CH/FR) von Richard Dembo
- Oscar bester Schauspieler für F. Murray Abraham in „Amadeus“
- Oscar beste Schauspielerin für Sally Field in „Places in the Heart“
- Erstmalige Vergabe des Max-und-Moritz-Preises in Erlangen.
Katastrophen
- 2. September: auf den Philippinen richtet der Taifun „Ike“ schwere Schäden an und fordert 1.400 Menschenleben, der Sturm wandert über Südkorea nach China weiter
- 6. Dezember: in Taiwan werden in der Nähe von Taipeh nach einem Grubenunglück 35 Kumpel tot geborgen
- Eine Dürre führt in 20 afrikanischen Ländern zu Missernten und Hungersnöten. Am schlimmsten betroffen war Äthiopien, monatlich starben hier fast 20.000 Kinder an Unterernährung
- Katastrophe der Chemiefirma Union Carbide in Bhopal, Indien
Sport
Einträge von Leichtathletik-Weltrekorden siehe unter der jeweiligen Disziplin unter Leichtathletik.
- 6. Januar: Jens Weißflog gewinnt nach 3 Einzelsiegen die Vierschanzentournee
- 15. Februar: Fußball-Länderspiel in Varna, Bulgarien : Deutschland 2:3
- 8. März: Frank-Peter Roetsch (DDR) gewinnt den Biathlon-Weltcup vor Peter Angerer (BRD) mit einem Punkt Vorsprung
- 9. März: Tim Witherspoon gewann seinen Boxkampf und Weltmeistertitel im Schwergewicht gegen Greg Page im Convention Center, Las Vegas, Nevada, USA, durch einen Punktsieg
- 18. Juli: der Tyrrell-Rennstall von Ken Tyrrell (Großbritannien) wird von der FISA von der weiteren Teilnahme an den Formel 1-Rennen 1984 wegen unerlaubter Manipulationen ausgeschlossen
- 16. August: Die 4. Skatweltmeisterschaft wird in der Dortmunder Westfalenhalle vom Schirmherr, NRW-Ministerpräsident Johannes Rau, eröffnet
- 31. August: Pinklon Thomas gewann seinen Boxkampf und Weltmeistertitel im Schwergewicht gegen Tim Witherspoon im Riviera Hotel, Las Vegas, Nevada, USA, durch Sieg nach Punkten
- 2. September: Straßen-Weltmeister der Radprofis wird in Barcelona überraschend Claude Criquelion (Belgien)
- XXIII. Olympische Sommerspiele in Los Angeles, Kalifornien, USA
- XIV. Olympische Winterspiele in Sarajewo, Jugoslawien
- Frankreich gewinnt die Fußball-Europameisterschaft 1984 im eigenen Land
- 1. Januar: José Paolo Guerrero, peruanischer Fußballspieler
- 3. Januar: Maya Ababadjani, dänisch-arabische Schauspielerin
- 3. Januar: Maximilian Mechler, deutscher Skispringer
- 4. Januar: Astrid Plessl, österreichische Gedächtnissportlerin, Frauenweltmeisterin
- 7. Januar: Max Riemelt, deutscher Schauspieler
- 7. Januar: Luke McShane, englischer Schachgroßmeister
- 7. Januar: Xavier Margairaz, Schweizer Fußballspieler
- 12. Januar: Chaunte Howard, US-amerikanisch Leichtathletin
- 13. Januar: Michael Ginsburg, deutscher Schauspieler
- 13. Januar: Eleni Ioannou, griechische Judoka († 2004)
- 15. Januar: Julia Palmer-Stoll, deutsche Schauspielerin († 2005)
- 17. Januar: Tim Sebastian, deutscher Fußballer
- 21. Januar: Brian Welch, US-amerikanischer Skispringer
- 25. Januar: Robinho, brasilianischer Fußballspieler
- 25. Januar: Stefan Kießling, deutscher Profifußballspieler beim 1. FC Nürnberg
- 29. Januar: Yukio Peters, nauruischer Gewichtheber
- 31. Januar: Ulli Wanders, deutsche Sängerin volkstümlicher Musik
- 31. Januar: Ashley Blue, US-amerikanische Pornodarstellerin
- 31. Januar: Jeremy Wariner, US-amerikanischer Leichtathlet
- 5. Februar: Cedrick Makiadi, Fußballspieler aus DR Kongo
- 5. Februar: Edgaras Česnauskis, litauischer Fußballspieler
- 11. Februar: Rafael van der Vaart, niederländischer Fußballspieler
- 12. Februar: Arthur Gomez, gambischer Fußballspieler
- 18. Februar: Idriss Carlos Kameni, französisch-kamerunischer Fußballspieler
- 18. Februar: Nick McDonell, US-amerikanischer Schriftsteller
- 21. Februar: David Odonkor, deutscher Fußballspieler
- 25. Februar: Xing Huina, chinesische Leichtathletin und Olympiasiegerin
- 28. Februar: Karolina Kurkova, tschechisches Fotomodell
- 1. März: Patrick Helmes, deutscher Fußballspieler
- 2. März: Elizabeth Jagger, Fotomodell
- 2. März: Stefan Thurnbichler, österreichischer Skispringer
- 13. März: Pieter Custers, niederländischer Bogenschütze
- 20. März: Fernando Torres, spanischer Fußballspieler
- 22. März: Piotr Trochowski, deutscher Fußballspieler
- 26. März: Marco Stier, deutscher Fußballspieler
- 26. März: Felix Neureuther, deutscher Skirennläufer
- 28. März: Christopher Samba, kongolesisch-französischer Fußballspieler
- 29. März: Tschawdar Jankow, bulgarischer Fußballspieler
- 30. März: Benjamin Baltes, deutscher Fußballspieler
- 1. April: Silke Fritzen, unSchülerin, Beispiel für Anfälligkeit von Fernsehabstimmungen für Manipulationen
- 2. April: Meryl Cassie, neuseeländische Schauspielerin und Sängerin
- 8. April: Taran Noah Smith, US-amerikanischer Schauspieler
- 10. April: Mandy Moore, US-amerikanische Pop-Sängerin und Schauspielerin
- 17. April: Rosanna Davison, irisches Model
- 23. April: Alexandra Konstantinowna Kostenjuk, russische Schachspielerin
- 1. Mai: Miso Brecko, slowenischer Fußballspieler
- 5. Mai: Alexander Laas, deutscher Fußballspieler
- 14. Mai: Michael Rensing, deutscher Fußballspieler
- 23. Mai: Adam Wylie, US-amerikanischer Schauspieler
- 25. Mai: Mikkeline Kierkgaard, Eiskunstläuferin
- 26. Mai: Patrick Milchraum, deutscher Fußballspieler
- 27. Mai: Karsten Fischer, deutscher Fußballspieler
- 27. Mai: Filipe Oliveira, portugiesischer Fußballspieler
- 29. Mai: Carmelo Anthony, US-amerikanischer Basketballspieler
- 29. Mai: Sophie Moser, Violinistin
- 7. Juni: Marcel Schäfer, deutscher Fußballspieler
- 8. Juni: Andrea Casiraghi, ältester Sohn von Caroline von Monaco
- 9. Juni: Christina Beier, deutsche Eiskunstläuferin
- 16. Juni: Rick Nash, kanadischer Eishockeyspieler
- 30. Juni: Fantasia Barrino, US-amerikanische Sängerin
- 1. Juli: Jaysuma Saidy Ndure, gambischer Leichtathlet
- 4. Juli: Markus Waldrich, deutscher Fußballspieler
- 19. Juli: Diana Mocanu, rumänische Sportlerin und die bis jetzt erfolgreichtse Schwimmerin Rumäniens
- 1. August: Bastian Schweinsteiger, deutscher Fußballspieler
- 12. August: Sherone Simpson, jamaikanische Leichtathletin und Olympiasiegerin
- 13. August: Niko Kranjčar, kroatischer Fußballspieler
- 18. August: Robert Huth, deutscher Fußballspieler
- 21. August: Alizée, französische Sängerin
- 23. August: Glen Johnson, englischer Fußballspieler
- 25. August: Florian Mohr, deutscher Fußballspieler
- 29. August: Christian Lell, deutscher Fußballspieler
- 15. September: Henry Mountbatten-Windsor, britischer Prinz (jüngerer Sohn von Prinz Charles)
- 16. September: Katie Melua, georgische Sängerin
- 19. September: Kevin Zegers, kanadischer Schauspieler
- 20. September: Brian Joubert, Eiskunstläufer
- 20. September: Alexandros Margaritis, Rennfahrer
- 23. September: Jan-Ingwer Callsen-Bracker, deutscher Fußballspieler
- 24. September: Michaela Neuling, deutsche Speedskaterin
- 27. September: Avril Lavigne, kanadische Rock-Sängerin
- 29. September: Per Mertesacker, deutscher Fußballspieler
- 2. Oktober: Eldin Jakupovic, Schweizer/Bosnischer Fußballspieler
- 3. Oktober: Ashlee Simpson, US-amerikanische Sängerin und Schauspielerin
- 10. Oktober: Kuriyama Chiaki, japanische Filmschauspielerin
- 14. Oktober: Claudia Rauschenbach, deutsche Eiskunstläuferin
- 18. Oktober: Lindsey Kildow, US-amerikanische Skirennläuferin
- 26. Oktober: Sasha Cohen, Eiskunstläufer
- 27. Oktober: Kelly Osbourne, britische Musikerin
- 9. November: Delta Goodrem, australische Sängerin
- 21. November: Jena Malone, US-amerikanische Filmschauspielerin
- 22. November: Scarlett Johansson, US-amerikanische Schauspielerin
- 24. November: Maria Riesch, deutsche Skirennläuferin
- 25. November: Gaspard Ulliel, französischer Schauspieler
- 28. November: Marc-André Fleury, Profi-Eishockeyspieler in der NHL
- 8. Dezember: Emma Green, schwedische Leichtathletin
- 10. Dezember: Tom Hern, neuseeländischer Serienschauspieler
- 15. Dezember: Veronique Mang, französische Leichtathletin und Olympionikin
- 21. Dezember: Myvanwy Ella Penny, deutsch-britische Nachwuchs-Violinistin
- 24. Dezember: Wallace Spearmon, US-amerikanischer Leichtathlet
- 29. Dezember: Lisa Brüggemann, deutsche Kunstturnerin
- 30. Dezember: LeBron James, US-amerikanischer Basketballspieler
- 31. Dezember: Demba Touré, senegalesischer Fußballspieler
- 1. Januar: Paula Grogger, österreichische Schriftstellerin ( - 1892)
- 1. Januar: Alexis Korner, englischer Blues-Musiker ( - 1928)
- 1. Januar: Augustin Souchy, deutscher Anarchist und Antimilitarist ( - 1892)
- 2. Januar: Klaus Mehnert, Publizist und Hochschullehrer ( - 1906)
- 3. Januar: Taras Borodajkewycz, Mitglied der NSDAP, Professor ( - 1902)
- 6. Januar: Hermann Engelhard, deutscher Leichtathlet ( - 1903)
- 7. Januar: Alfred Kastler
MinderheitenschutzMinderheitenschutz ist ein Begriff aus dem Völkerrecht, der sich ausschließlich auf ethnische und nationale Minderheiten und deren spezifischen Interessen als Minderheit bezieht. Die spezifischen Interessen Angehöriger anderer minoritärer gesellschaftlicher Untergruppen wie Behinderter oder Homosexueller fallen nicht unter das Völkerrecht, sondern sollten international durch die Menschenrechte und auf staatlicher Ebene durch die in der entsprechenden Verfassung verankerten Individualrechte geschützt werden.
Problematik des Minderheitenschutzes
Im Laufe der Geschichte der Nationalstaaten hat sich herausgestellt, dass Angehörige ethnischer und nationaler Minderheiten aufgrund ihres Minderheitenstatus' vielfach von Diskriminierungen im jeweiligen Staat betroffen waren. Sehr oft geschah dies in Bereichen, die durch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte nicht abgedeckt waren. So wurde im Laufe der Zeit der spezielle Minderheitenschutz als Ergänzung zu den Menschenrechten erarbeitet mit dem Ziel, diese spezifischen Punkte abzudecken. Darunter fallen das Recht auf die Benutzung der Muttersprache oder das Recht auf die Ausübung spezifischer Traditionen. Dadurch hoffte man nicht nur, die Angehörigen von Minderheiten besser zu schützen, sondern auch, den als Reaktion auf die Bildung der Nationalstaaten aufflammenden ethnischen Radikalismus einzudämmen.
Dass diese Zielsetzung bis heute nicht vollumfänglich erreicht wurde, liegt nach Meinung von Experten hauptsächlich daran, dass der völkerrechtliche Minderheitenschutz sich ausschließlich auf anerkannte Minderheiten bezieht. Solange eine Minderheit nicht als Solche anerkannt ist, fühlen sich die entsprechenden Staaten nicht an die völkerrechtlichen Auflagen gebunden, was im Gegenzug zu mehr oder weniger intensiven Minderheitenkonflikten führt (siehe auch: Separatismus, Autonomie, Terrorismus, Regionalismus, Nationalismus).
Anscheinend sind jedoch sowohl die individualrechtlichen Regelungen (Menschenrechte) als auch die kollektivrechtlichen Konstruktionen im Bereich des Völkerrechts nur bedingt geeignet, um Minderheiten vor Mehrheiten zu schützen. Die Thematik und Konfliktualität rund um Herrschaftsbeziehungen, Unterdrückungsmechanismen, Konkurrenzbeziehungen, Diskriminierungen, Identitätsproblemen usw. ist zu komplex, als dass man ihr alleine mit rechtlichen Normen begegnen könnte. So dienen im Endeffekt alle Bemühungen für den Minderheitenschutz eher als Konfliktregulierung denn als Lösung für Minderheitenkonflikte. Um Minderheitenschutz in befriedigender und dauerhafter Form zu gewährleisten, bedarf es nicht in erster Linie rechtlicher Abkommen, sondern einer permanenten Anstrengung der Gesamtgesellschaft (Mehrheit und Minderheit).
Minderheitenschutz in Deutschland
Minderheitenschutz äußert sich zum einen in der Form ganz spezieller Minderheitenrechte, die nur für die Angehörigen dieser demographischen Minderheit Anwendung finden. In Deutschland beispielsweise für die Sorben (ca. 60.000 Personen; Stand:2000). Weitere Minderheiten in Deutschland sind die dänische (ca. 50.000) und friesische (ca. 10.000) Minderheit in Schleswig-Holstein und die Sinti und Roma (ca. 70.000).
In Schleswig-Holstein stellt die Staatszielbestimmung des Art. 5 der Landesverfassung einen Minderheitenschutz dar, der sich z. B. im § 3 Landeswahlgesetz durch die Befreiung der Partei der dänischen Minderheit (SSW) von der Fünf-Prozent-Hürde oder in §§ 58, 60, 63 des Schulgesetzes durch die Möglichkeit der Errichtung dänischer Schulen niederschlägt.
Auch die Art. 18 der Landesverfassung von Mecklenburg-Vorpommern oder Art. 5 der Landesverfassung von Sachsen stellen eine solche Staatszielbestimmung zum Schutz der Minderheiten dar.
Zum anderen kommen bestimmte Grund- bzw. Menschenrechte häufig dem Schutz demographischer Minderheiten zugute, diese haben aber als Individualrechte allgemeine Gültigkeit und kommen deshalb den Angehörigen der demographischen Mehrheit im entsprechenden Staat ebenso oft zugute.
Derartige Grundrechte haben häufig als Verfassungsgrundsätze einen rahmengebenden Stellenwert im Staat und sind häufig besonders geschützt.
Der demographische Minderheitenschutz steht prinzipiell nicht im Gegensatz zum demokratischen Mehrheitsprinzip, da demographische und demokratische Minderheiten nicht identisch sind. Als Individualrechte sind Grundrechte mehrheitsfähig, weil sie für alle Menschen gleichermaßen gelten.
Trotzdem wurde aus der Überlegung heraus, dass es in Demokratien prinzipiell möglich ist, Grundrechte durch demokratische Mehrheiten auch aufzuheben, in einigen Verfassungen bestimmte Grundrechte vor Änderung auch durch demokratische Mehrheiten besonders geschützt.
Minderheitenschutz im Völkerbund und der UNO
Im Laufe der Zeit hat sich der Minderheitenschutz zu einem Element des Völkerrechtes entwickelt. Die erste internationale Vereinbarung zum Schutze nationaler Minderheiten stammt aus dem Wiener Kongress von 1815. Danach wurde der polnischen Minderheit in Preußen, Österreich und Russland besonderer Schutz zugestanden.
Als Reaktion auf die Gebietsveränderungen durch den Ersten Weltkrieg wurden in den Friedensverträgen von Paris auch die Rechte von Minderheiten festgehalten. Daneben wurden eine Reihe von bilateralen Verträgen ausgearbeitet:
- Abkommen zwischen Österreich und der Tschechoslowakei von 1920
- Abkommen zwischen Polen und der Freien Stadt Danzig von 1920
- "Friede von Dorpkat" mit einem Abkommen zwischen Finnland und der Sowjetunion über die finnisch-sprachige Bevölkerung von Ostkarelien von 1920
- zwischen Finnland und Schweden über die schwedisch-sprachigen Åland-Inseln 1921
- deutsch-polnisches Abkommen über Ostschlesien von 1922
- Vereinbarung anlässlich der Eingliederung des Memelgebietes in den Staat Litauen zwischen Litauen und den Siegermächten.
In diesen Abkommen ging es meist um den Gebrauch der Muttersprache im öffentlichen Leben und um die Ausübung politischer und kultureller Menschenrechte. Leider waren - aufgrund der damals herrschenden nationalistischen Gesinnung - die meisten der betroffenen Staaten nicht bereit, die Verträge einzuhalten. Dem UNO-Vorläufer Völkerbund, der mit der Überwachung beauftragt war, fehlten die nötigen Kompetenzen und die Bereitschaft, den Vollzug durchzusetzen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchten die Vereinten Nationen zunächst, den Minderheitenschutz durch den als effektiver betrachteten individuellen Schutz der Menschenrechte zu ersetzen. Trotzdem ist in den Verträgen nach dem Zweiten Weltkrieg ausdrücklich ein Diskriminierungsverbot für Minderheiten enthalten.
Im Rahmen der UNO begannen während der sechziger Jahre Diskussionen über einen allgemeinen Minderheitenschutz, welche am 19. Dezember 1966 zum UN-Pakt über bürgerliche und politische Rechte führten, in dem folgende Rechte von Minderheiten geschützt werden: Pflege der eigenen Sprache, Religion und Kultur. Ein Menschenrechtsausschuss wurde für die Überwachung der staatlichen Verpflichtungen eingesetzt.
Ein weiteres Organ der UNO, die Sub-Commission on Prevention of Discrimination and Protection of Minorities, befasst sich ebenfalls mit Minderheiten. Dieser Ausschuss erarbeitete u.A. die Deklaration über die Rechte von Minderheiten, welche die Staaten verpflichtet, die Identität nationaler oder ethnischer, kultureller, religiöser und sprachlicher Minderheiten durch den Erlass entsprechender Maßnahmen zu wahren und zu fördern. Den Angehörigen solcher Minderheiten muss das Recht auf freien Gebrauch ihrer Sprache im privaten und öffentlichen Bereich und eine angemessene Beteiligung an den sie betreffenden Entscheidungen garantiert werden.
Minderheitenschutz in Europa
In den siebziger Jahren begann die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), sich mit der Minderheitenproblematik zu befassen. Nach dem Fall der Berliner Mauer und aufgrund der in der Folge immer wieder aufflammenden Minderheitenkonflikte in Osteuropa sowie der diversen regionalistischen Strömungen in Europa begann in den neunziger Jahren auch der Europarat, sich mit dem völkerrechtlichen Schutz von Minderheiten zu befassen.
Konferenz von Kopenhagen "Über die menschliche Dimension"
Am 29. Juni 1990 verabschiedete die KSZE das "Kopenhagener Abschlussdokument über die menschliche Dimension" - ein Meilenstein für die völkerrechtliche Verankerung der Menschenrechte in Europa. Die Kopenhagener Dokumente sind völkerrechtlich nicht verbindlich, sondern nur Vereinbarungen, die als ungefähre Richtschnur für die Mitgliedstaaten der OSZE dienen sollen.
Teil IV der Kopenhagener Dokumente geht detailliert auf die kollektiven Rechte der Angehörigen nationaler Minderheiten ein: Sie sollen ihre Menschenrechte und Grundfreiheiten in voller Gleichheit vor dem Gesetz ausüben können. Außerdem sollten sich die OSZE-Mitgliedsstaaten verpflichten, "besondere Maßnahmen zur Sicherung der Gleichstellung mit anderen Staatsangehörigen zu ergreifen" (Boden, S. 30). Einer Person soll zudem das Recht zugestanden werden, selbst zu entscheiden, ob sie einer nationalen Minderheit zugehörig ist oder nicht.
Das Abschlussdokument der Kopenhagener Dokumente enthält darüber hinaus die so genannten "individuellen Minderheitenrechte": Gebrauch der Muttersprache, freie Religionsausübung, Garantie grenzüberschreitender Kontakte zu Angehörigen der eigenen Volksgruppe, Vereinigungsfreiheit, das Recht auf Ausübung kultureller Aktivitäten, Schulunterricht in der Muttersprache oder mit der Muttersprache als Unterrichtssprache, Schutz und Förderung der Identität nationaler Minderheiten und die Einrichtung lokaler und autonomer Verwaltungseinheiten.
Expertentreffen von Genf
Im Juli 1991 trafen sich Experten der KSZE-Mitgliedstaaten in Genf, um über die Minderheitenproblematik zu diskutieren. Dabei stellte sich heraus, dass einige Teilnehmerländer des ehemaligen Ostblocks (Bulgarien, Rumänien, Jugoslawien) hinter die Standards zurückgehen wollten, die in Kopenhagen verabschiedet wurden. Sie wurden von mehreren westlichen Ländern (Frankreich, Griechenland, Türkei) in ihrem Ansinnen bestärkt. So enthält die Schlusserklärung einen Satz, der alle vorherigen Bemühungen zum völkerrechtlichen Schutz von Minderheiten de facto zu Makulatur werden ließ: "[die Staaten] nehmen zur Kenntnis, dass nicht alle ethnischen, kulturellen, sprachlichen oder religiösen Unterschiede notwendigerweise zur Bildung nationaler Minderheiten führen". Diese Einschränung erlaubt es Ländern wie Frankreich oder der Türkei, auf ihrem Standpunkt zu beharren, es gäbe in ihren Ländern keine Minderheiten und deshalb auch keine Notwendigkeit, diesen in irgend einer Form besonderen Schutz zukommen zu lassen.
Europäische Konvention für den Schutz von Minderheiten
Am 8. Februar 1991 legte die Europäische Kommission für Demokratie und Recht (Venice Commission) dem Europarat einen Entwurf für eine "Europäische Konvention für den Schutz von Minderheiten" vor. Im Gegensatz zu den beiden obenerwähnten Dokumenten wird hier der Begriff "Minderheit" klar definiert, und es wird klargestellt, dass ausländische Staatsangehörige nicht miteinbezogen werden sollen. Die Zugehörigkeit zu einer Minderheit soll von der Entscheidung des Individuums abhängen. Des Weiteren wird ein kollektives Recht von Minderheiten anerkannt, und den Staaten werden Verpflichtungen auferlegt, die einer Kombination von Individual- und Gruppenrechten entsprechen.
Europäische Charta der regionalen oder Minderheitensprachen
Das Ministerkomitee verabschiedete am 5. November 1992 eine Konvention, deren Erarbeitung insgesamt elf Jahre dauerte. Die "Europäische Charta der regionalen oder Minderheitensprachen" enthält Bestimmungen "zum Schutz und zur Förderung von Minderheitensprachen in Schulen, in der Verwaltung, vor Gericht und in den Medien" (Boden, S. 31).
Die Charta ist jedoch nicht verbindlich. Die Unterzeichnerstaaten können auswählen, welche der Bestimmungen sie anwenden wollen. Sie entscheiden auch selbst darüber, auf welche Minderheitensprachen in ihrem Land sie die Charta anwenden wollen. Ein Berichterstattersystem dient als einzige Kontrolle, Sanktionen bei Nicht-Einhaltung der eingegangenen Verpflichtungen sind nicht vorgesehen.
Verantwortlich für die Verzögerungen und die unverbindlich formulierten Konventionen sind einige europäische Staaten, welche die Rechte ihrer Minderheiten aufgrund der eigenen Auffassung von "Staat" und "Nation" nicht anerkennen wollen, darunter insbesondere Frankreich, Großbritannien, Griechenland und die Türkei. Diese Länder befürchten, durch die Anerkennung von Minderheiten und Minderheitensprachen auf ihrem Territorium die nationale Einheit zu gefährden. Sie bestehen darauf, dass die in der jeweiligen Verfassung festgehaltenen Gleichheitsgrundsätze ein ausreichender Schutz für die Angehörigen von Minderheiten seien. In den föderalistischen Staaten wird den Rechten indigener Minderheiten dagegen häufig wenig Bedeutung beigemessen, etwa in Deutschland der Sprachminoritäten der Sorben, Friesen und Sprechern der niederdeutschen Sprache. Die Charta hat in diesen Bereichen kaum zu signifikanten Verbesserungen geführt.
Literatur
- Martina Boden: Nationalitäten, Minderheiten und ethnische Konflikte in Europa. Ursprünge, Entwicklungen, Krisenherde. Olzog Verlag. München, 1993. ISBN 3789286400
- Rainer Hofmann: Minderheitenschutz in Europa. Überblick über die völker- und staatsrechtliche Lage. Gebrüder Mann. Berlin, 1995. ISBN 3786118426
- Sarah Pritchard: Der völkerrechtliche Minderheitenschutz. Historische und neuere Entwicklungen. Duncker & Humblot GmbH. 2001. ISBN 3428099257
- Franz Pan: Der Minderheitenschutz im neuen Europa und seine historische Entwicklung. Wilhelm Braumüller Verlag. 1999. ISBN 3700312482
Kategorie:Sozialphilosophie
Kategorie:Völkerrecht
Minderheit
Eine Minderheit ist eine demographische Gruppe auf einer bestimmten territorialen Einheit (Staat, Region,...), die sich durch bestimmte personale Merkmale von der Bevölkerungsmehrheit unterscheidet. Merkmale in diesem Sinne können Sprache, Rasse, Religion, Moral, soziale Funktion u.v.a. mehr sein. Häufig werden Minderheiten auf Grund von Vorurteilen ausgegrenzt und sind deshalb Opfer von Gewalt.
Faktor für die Entstehung von Minderheiten ist die Besiedlung eines Landes. Sie kann dazu führen, dass die bereits vorherrschende, einheimische Bevölkerung zur Minderheit wird und sich an die Werte und Normen der Bevölkerung anpassen müssen.Dies kann so weit gehen, dass die Existenzberechtigung von Minderheiten nicht mehr anerkannt wird.
Im herkömmlichen Sinne meint man mit Minderheiten ethnische oder nationale Minderheiten, das heißt Bevölkerungsgruppen, die auf dem Territorium eines Staat leben, in dem eine andere Volksgruppe die Mehrheit bildet, also die "Macht" innehat. Die UNO und andere internationale Organisationen haben für diese Fälle so genannte Minderheitenrechte festgesetzt, die in den verschiedenen Mitgliedsstaaten unterschiedlich respektiert werden (siehe auch Minderheitenschutz, Menschenrechte). Auch in Tokyo wurde 1988 eine Organisation gegründet, die versucht auf die Probleme und Diskriminierungen von Minderheiten aufmerksam zu machen und sich für die Rechte benachteiligter Volksgruppen einzusetzten: Die IMADR (International Movement Against All Forms of Disrimination and Racism).
In der Sozialpsychologie werden 2 Arten von Minoritäten unterschieden:eine numerisch-statistische und eine soziale.
Letztere beschreibt eine Minderheit, die sich durch kulturelle und/oder psychische Merkmale vom Rest der Gesellschafft unterscheidet und so von der sozial dominierenden Gruppe als minderwertig angesehen und auch so behandelt wird.
Unter dem Einfluss der amerikanischen Soziologie hat der Begriff "Minderheit" in den letzten fünfzig Jahren einen Bedeutungswandel erfahren. Der Begriff lässt sich so auf praktisch alle Gruppen anwenden, deren Mitglieder von den vorherrschenden Sitten und Verhaltensweisen abweichen, die zahlenmäßig weniger als die Hälfte einer gegebenen Bevölkerung ausmachen und die weniger Einfluss haben als die restliche Bevölkerung.
Definition des Begriffes Minderheit
Eine Minderheit sind Menschen, die aufgrund ihrer ethnischen, sozialen oder religiösen Zugehörigkeit auch häufig wegen ihrer sexuellen Orientierung, Diskriminierung erfahren. Diskriminierung ist politisch als Ausschluß von bestimmten Rechten zu sehen, sozial als die Erfahrung von Vorurteilen und Ausgrenzungen. Die Grundlage für diese Definition ist nicht die geringere Zahl der Gruppenmitglieder, sondern ihre geringere Macht gegenüber einer hegemonialen Mehrheit.
Entstehung von Minderheiten
Minderheiten können auf verschiedene Weisen entstehen. Die Entstehungsgeschichte einer bestimmten Minderheit hat in der Folge Auswirkungen auf ihre soziale Identität sowie auf das Konfliktpotenzial, das von ihr ausgeht.
Eine existierende, auf einem bestimmten Territorium vorhandene Bevölkerung wird durch militärische Invasion oder massive Immigration eines anderen Volkes verdrängt respektive dezimiert. Die Invasoren installieren ihre politische, kulturelle, wirtschaftliche und soziale Struktur und die ehemals eingeborene Bevölkerung lebt als Minderheit auf ihrem eigenen Territorium weiter. Klassisches Beispiel: Die Indianervölker auf dem amerikanischen Kontinent.
Völker (oder ihre Angehörigen) werden systematisch in ein Gebiet umgesiedelt, in dem sie in der Folge als Minderheit leben. Je nachdem, ob die Individuen weiterhin Kontakt mit Angehörigen ihres Volkes haben oder nicht, bleibt die kulturelle Identität mehr oder weniger erhalten. Es kann jedoch auch geschehen, dass sich in der Fremde eine neue kulturelle Identität entwickelt. Klassisches Beispiel: Schwarze Bevölkerung in den USA.
Erzwungene Migration durch Vertreibung
Soziokulturelle Einheiten müssen ihr angestammtes Gebiet verlassen und siedeln sich in der Folge auf einem anderen Territorium an. Beispiel: Amish und Mennoniten. Ein Spezialfall der Vertreibung ist die so genannte Diaspora, bei der eine bestimmte Bevölkerung von ihrem angestammten Gebiet vertrieben wird und sich in der Folge verstreut über den Erdball niederlässt. Die gemeinsame Kultur und Identität wird bewusst gepflegt und erhalten, so dass die Kultur und der kulturelle Zusammenhalt trotz der Verstreutheit erhalten bleibt. Klassische Beispiele: Juden, Armenier.
Freiwillige Migration
Angehörige bestimmter soziokultureller Gruppen verlassen freiwillig ihr angestammtes Gebiet und begeben sich an einen Ort, an dem sich bereits Menschen mit gemeinsamer Sprache, Kultur, Religion etc. befinden. Dabei kann unter Umständen eine neue kulturelle Identität entstehen, die sich von der Ursprünglichen grundsätzlich unterscheidet. Beispiel: Französischsprachige Kanadier (Québec).
Durch kriegerische oder diplomatische Aktionen werden Teile einer Volksgruppe politisch, wirtschaftlich und kulturell vom Rest ihrer Kultur abgeschnitten. Beispiele: Südtirol, Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens, Vojvodina, Kurden.
Typen von Minderheiten
Es gibt unzählige Versuche, Minderheiten zu kategorisieren und typologisieren. Eine grobe Unterscheidung, die auch im völkerrechtlichen Zusammenhang verwendet wird, ist folgende Aufteilung:
#Nationale Minderheiten: Sind Minderheiten, die in einem anderen Staat die staatstragende Mehrheit bilden. Beispiele: Dänen in Deutschland, Ungarn in Rumänien.
#Ethnische Minderheiten: Entsprechen den Kriterien für eine ethnische/nationale Minderheit, haben jedoch kein "eigenes Mutterland". Beispiele: Bretonen, Friesen, Sorben, Roma und Sinti.
#Sprachliche Minderheiten: Sind keine ethnische oder nationale Minderheit, sprechen jedoch eine andere Muttersprache als die Bevölkerungsmehrheit im Staat. Beispiel: frankophone Bevölkerung der Schweiz, Finnland-Schweden.
Minderheiten in Deutschland
Als offizielle nationale Minderheiten in Deutschland sind anerkannt:
- Sorben
- Friesen
- Dänen
- Sinti und Roma
Als Regionalsprache in Deutschland ist seit 1994 zusätzlich anerkannt:
- Plattdeutsch
Minderheiten in Österreich
Die Minderheiten genießen in Österreich den Schutz, der vorerst im Vertrag von Saint-Germain von 1919 und nach dem Zweiten Weltkrieg im Artikel 7 des Österreichischen Staatsvertrages festgehalten ist. Folgende ethnische Minderheiten sind staatlich anerkannt (wobei die kroatische und slowenische Minderheit des Burgenlandes, der Steiermark und Kärntens den direkten Schutz des Staatsvertrages genießen):
- Kroaten
- Slowenen
- Slowaken
- Ungarn
- Tschechen
- Sinti und Roma seit 1993 anerkannte Volksgruppe
Sie machen weniger als 1% der Gesamtbevölkerung aus. In bestimmten Bezirken ist ihr freier Sprachgebrauch als Amtssprache (auch vor Gericht), sowie der Schulbesuch in der | | |